Dichtheitsprüfung privater Abwasserleitungen






1. Alle Abwasserleitungen müssen dicht sein

Am 1.3.2010 ist das neue Wasserhaushaltsgesetz des Bundes (WHG) vom 31.7.2009 (BGBl. 2009 I, S. 2585) in Kraft getreten. Nach § 60 Abs. 1 WHG besteht grundsätzlich für Jedermann die Verpflichtung, seine Abwasseranlagen nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik herzustellen, zu betreiben und zu unterhalten. Das bedeutet nichts anderes, als dass jede Abwasserleitung absolut dicht sein muss, natürlich auch die Abwasserleitungen auf privaten Grundstücken. Entsprechen vorhandene Abwasseranlagen nicht diesen Anforderungen, müssen sie nach § 60 Abs. 2 WHG erneuert oder repariert werden.

In Deutschland sind rund 1,5 Mio. Kilometer private Abwasserleitungen verlegt. Das sind Leitungen unter dem Gebäude und zwischen Gebäude und öffentlichem Abwasserkanal. Angeblich sollen ca. 40 % dieser Leitungen undicht sein. Über eine undichte Abwasserleitung kann Schmutzwasser versickern und Boden oder Grundwasser verunreinigen. Umgekehrt kann aber auch Grundwasser in die Abwasserleitung eindringen (sogenanntes Fremdwasser), das im öffentlichen Abwassersystem unerwünscht ist, weil es in der Kläranlage teuer gereinigt werden muss.


2. Gibt es Vorschriften zur Dichtheitsprüfung von Abwasserleitungen?

Schon seit einigen Jahren wird auf vielen Internetseiten, aber auch in den Medien, die Meldung verbreitet, dass alle privaten Abwasserleitungen bis spätestens 31.12.2015 auf Dichtheit zu prüfen seien. Viele Hauseigentümer sind verunsichert, weil es zu diesem Thema widersprüchliche Meldungen gibt.


Richtig ist: Private Abwasserleitungen muss man nur dann auf Dichtheit prüfen lassen, wenn es dafür eine ausdrückliche gesetzliche Vorschrift gibt. Ansonsten besteht für den Grundstückseigentümer keine Veranlassung für eine derartige Überprüfung. Unterscheiden muss man dabei nach bundes- und landesrechtlichen Vorschriften.


2.1 Prüfpflicht nach bundesrechtlichem WHG?

Der neue § 61 Abs. 2 WHG hat eine sogenannte Eigenüberwachungspflicht eingeführt. Danach hat jeder, der eine Abwasseranlage betreibt, deren Zustand selbst zu überwachen. Abwasseranlage im Sinne des Gesetzes ist auch jede Entwässerungsleitung auf Privatgrundstücken. Damit ist jeder Eigentümer eines Grundstücks verpflichtet, eine dichte Abwasserleitungen zu betreiben. Dies gilt in ganz Deutschland. Allerdings ergeben sich aus § 61 Abs. 2 WHG keine Einzelheiten für eine Dichtheitsprüfung. Hierzu muss der Bund erst noch eine ausdrückliche Rechtsverordnung nach § 61 Abs. 3 WHG erlassen. Nachdem diese Rechtsverordnung momentan (Stand Dezember 2015) noch nicht erlassen ist, muss man hinsichtlich der Dichtheitsprüfung (aufgrund des WHG) auch nichts unternehmen. Ob eine derartige Bundes-Rechtsverordnung überhaupt erlassen werden wird, ist noch nicht absehbar. Solange gelten die Vorschriften in den Landeswassergesetzen aller 16 Bundesländer weiter (Gesetzesbegründung zum WHG, Bundestags-Drucksache 16/12275, S. 70). Und in manchen Landeswassergesetzen steht auch etwas zur Dichtheitsprüfung privater Abwasserleitungen.


2.2 Die Eigenüberwachungsverordnung gilt nicht für Privatkanäle

Fast alle Bundesländer haben eine Eigenüberwachungsverordnung erlassen, die jedoch nur die Prüfung der öffentlichen Abwasseranlagen regelt. Private Abwasserleitungen sind davon nicht betroffen. Insbesondere ergibt sich daraus keine Prüfpflicht bis 31.12.2015 für private Abwasseranlagen. Das hat beispielsweise das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft ausdrücklich klargestellt, nachzulesen hier...


2.3 Eine EU-Richtlinie zur Dichtheitsprüfung gibt es nicht

Es gibt keine EU-Richtlinie, wonach alle privaten Abwasserleitungen bis zum Jahre 2015 und danach alle 20 Jahre einer Dichtheitsprüfung unterliegen. Die immer wieder zitierte EU-Richtlinie 91/271/EWG (ABl. L 135 v. 30.5.1991) gilt nur für die öffentliche Abwasserbeseitigung, nicht aber für private Abwasserleitungen. Zudem ist eine EU-Richtlinie kein unmittelbar geltendes Gesetz gegenüber den Bürgern, sondern gilt nur für den nationalen Gesetzgeber, der sie wiederum durch ein Gesetz umsetzen muss.


2.4 Eine DIN-Norm ist kein Gesetz

Was auch immer wieder fälschlicherweise behauptet wird: Grundlage für die Dichtheitsprüfung sei die unmittelbar anzuwendende DIN 1986-30:2003-02. Das aber ist falsch. Eine DIN-Norm ist weder ein Gesetz noch hat sie Gesetzeskraft (BGH, Urteile v. 6.6.1991 – I ZR 234/89, NJW-RR 1991, 1445 und v. 2.3.2010 – VI ZR 223/09, GuT 2010, 115; BVerwG, Beschluss v. 30.9.1996 – 4 B 175/96, BauR 1997, 290 = DÖV 1997, 303). Vielmehr handelt es sich um eine Industrienorm des Deutschen Instituts für Normen e.V., also eines privaten Vereins, die „unter Mitwirkung interessierter Kreise” (Kanalbranche) zustande kam. Man kann auch sagen, dass sie den Zweck einer bestimmten Einflussnahme auf das Marktgeschehen hat. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof bezeichnet eine DIN-Vorschrift lediglich als Ergebnis einer in privater Hand befindlichen technischen Normung, die mangels demokratischer Legitimation und in der Regel auch fehlender freier Zugänglichkeit der Normungsergebnisse keine Verbindlichkeit beanspruchen kann. Sie stellt keine Rechtsvorschrift dar, das Deutsche Institut für Normung hat keine Rechtssetzungsbefugnisse (BayVGH, Urteil v. 3.11.2014 – 4 N 12.2074, DÖV 2015, 165).


Nach § 60 Abs. 1 WHG sind auch private Abwasserleitungen nach dem Stand der Technik herzustellen, zu betreiben und zu unterhalten. Der Stand der Technik kann sich aus einer DIN-Norm ergeben. Die DIN 1986-30 ist rechtlich gesehen nur eine technische Empfehlung ohne Rechtsverbindlichkeit (BGH, Urteil v. 14.5.1998 – VII ZR 184/97, NJW 1998, 2814). Vor allem ist die in der DIN 1986-30 enthaltene Frist zur Dichtheitsprüfung bis 31.12.2015 keine gesetzliche Pflicht, weil eine DIN-Norm (technisches Regelwerk eines privaten Vereins) keine gesetzlichen Fristen setzen kann. Derartige Untersuchungen mit terminlichen Regelungen zu treffen ist allein Sache des Gesetzgebers, weshalb die DIN 1986-30 mit der darin genannten Frist für den Bürger keine unmittelbare Geltung hat (BGH, Urteil v. 14.5.1998 – VII ZR 184/97, NJW 1998, 2814). Verbindlich werden Normen nur dann, wenn in Gesetzen oder Verordnungen auf sie Bezug genommen und ihre Anwendung ausdrücklich festgelegt wird (BVerfG, Beschluss v. 29.7.1998 – 1 BvR 1143/90, NJW 1999, 414).


Hinzu kommt ein Weiteres: Die o.g. Frist 31.12.2015 ist in der DIN 1986-30 mit Stand Februar 2003 erwähnt. Diese wurde durch die neue DIN 1986-30 mit Stand Februar 2012 ersetzt. In dieser neuen Norm wurde die Frist für die Erstprüfung vorhandener Grundleistungen bis zum 31.12.2015 gestrichen und stattdessen eine Zeitspannenregelung eingeführt. Aber auch diese Zeitspannenregelung erzeugt für den privaten Grundstückseigentümer keinerlei Rechtswirkung, solange sie nicht in einer nationalen Rechtsvorschrift als verbindlich festgesetzt wird.


3. Landesrechtliche Vorschriften zur Dichtheitsprüfung

3.1 Pflicht nur in wenigen Bundesländern

Eine Pflicht zur Dichtheitsprüfung von privaten Abwasserleitungen besteht nur dann, wenn es dazu eine ausdrückliche gesetzliche Vorschrift gibt. Bisher haben erst fünf Bundesländer eine solche Vorschrift erlassen, nämlich Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Hessen und Schleswig-Holstein. Alle anderen Bundesländer sehen derzeit keine Notwendigkeit für die Einführung einer derartigen Dichtheitsprüfung (z.B. Pressemitteilung des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt und Klimaschutz Nr. 27/2009 v. 25.3.2009).


3.2 Neue Prüfpflicht in Baden-Württemberg

Seit 1.1.2014 gilt das neue Wassergesetz (WG) vom 3.12.2013 (GBl. S. 389, zuletzt geändert am 16.12.2014, GBl. S. 777). Gemäß § 51 WG müssen Eigentümer die Abwasserleitungen auf ihrem Grundstück auf eigene Kosten durch fachkundige Personen überprüfen lassen. Einzelheiten dazu, z.B. Fristen, Überwachung der Fristen, Art und Umfang der Überprüfung usw. werden in einer Rechtsverordnung geregelt, die allerdings noch nicht erlassen wurde.


3.3 Prüfpflicht in Nordrhein-Westfalen

Nordrhein-Westfalen hatte die Dichtheitsprüfung bereits zu Beginn des Jahres 2008 eingeführt und Einzelheiten im bisherigen § 61a Absätze 3 und 4 des Landeswassergesetzes (LWG NRW) geregelt. Mit dem Gesetz zur Änderung des Landeswassergesetzes vom 5.3.2013, das am 16.3.2013 in Kraft getreten ist (GV NRW 2013, S. 133), wurde § 61a LWG NRW (Dichtheitsprüfungen bei privaten Abwasserleitungen) wieder gestrichen. Auf der Grundlage des § 61 Abs. 2 LWG NRW (neue Fassung = n.F.) wurde eine neue Landes-Rechtsverordnung über die Überwachung von öffentlichen und privaten Abwasseranlagen erlassen. Diese neue Verordnung zur Selbstüberwachung von Abwasseranlagen (Selbstüberwachungsverordnung Abwasser – SüwVO Abw NRW 2013, Vorlage 16/1131, LT-Ds 16/4174) ist am 9.11.2013 in Kraft getreten (GV NRW 2013, S. 602 ). Eine umfassende Darstellung der gegenwärtigen Rechtslage in Nordrhein-Westfalen finden Sie hier


3.4 Prüfpflicht in Hamburg

Aufgrund von § 15 Abs. 2 des Hamburgischen Abwassergesetzes (HmbAbwG) i.d.F. v. 24.7.2001 (HmbGVBl. S. 258) wurde die DIN 1986-30 als Technische Betriebsbestimmung für Grundstücksentwässerungsanlagen eingeführt (Aktualisierte Bekanntmachung der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt v. 27.11.2008, Amtl. Anz. 2008, S. 2507). Nach dieser Technischen Betriebsbestimmung sollten alle bestehenden privaten Abwasserleitungen bis spätestens 31.12.2015 erstmals auf Dichtheit geprüft werden.


Nachdem die frühere DIN 1986-30:2003-02 nicht mehr gilt, wurde in Hamburg die neue Norm DIN 1986-30 Ausgabe Februar 2012 am 10.6.2014 (Amtl. Anz. 2014 Nr. 45 S. 1053) als Technische Betriebsbestimmung für Entwässerungsanlagen eingeführt (§ 15 Absatz 2 Hamburgisches Abwassergesetz) und ersetzt die am 5.12.2008 bekannt gemachte DIN 1986-30 Ausgabe Februar 2003 als Technische Betriebsbestimmung. Diese Technische Betriebsbestimmung ist damit verbindlich anzuwenden. In der Bekanntmachung wurden einige Regelungen der DIN 1986-30:2012-2 ausgenommen und zum Teil durch modifizierte Regelungen ersetzt. Dies gilt insbesondere für die Nachweisfristen für die ersten und wiederkehrenden Dichtheitsnachweise und die anzuwendenden Prüfarten für die Grundstücksentwässerungsanlagen. (Nähere Angaben siehe hier


Informationen zu Untersuchungs- und Sanierungsverfahren und die Adressen anerkannter Fachbetriebe erhält man bei folgenden Stellen:

- ÜWG - Überwachungsgemeinschaft Technische Anlagen der SHK Handwerke e.V., Landesstelle Hamburg, 22081 Hamburg, Tel. 040/2999 4928

- Güteschutz Kanalbau, 25436 Uetersen, Tel. 04122/7915.


3.5 Dichtheitsprüfung in Hessen bis Ende 2024

Im Bundesland Hessen wurde mit der neuen Abwassereigenkontrollverordnung (v. 23.7.2010, GVBl. I 2010, S. 257) mit Wirkung vom 5.8.2010 die Dichtheitsprüfung auch für private Abwasserleitungen eingeführt. Die Prüfung ist erstmals bis zum 31.12.2024 zu erledigen. Die Hauseigentümer sollten erst mal abwarten, bis sich die Gemeindeverwaltung bei ihnen meldet. Es ist nicht ratsam, schon jetzt etwas in Eigenregie zu unternehmen. In Hessen ist nämlich vorgesehen, dass die Prüfung der öffentlichen Kanäle und der privaten Abwasserleitungen gemeinsam unter Regie der Gemeinde erfolgt. Wiederholungsprüfungen sind erst nach weiteren 30 Jahren vorgeschrieben.


Alle nach dem 1.1.1996 gebauten oder dauerhaft sanierten Abwasserleitungen gelten auch ohne besondere Prüfung zum 1.1.2010 per se als erstmals geprüft. Hier steht die Dichtheitsprüfung erst wieder auf Ende 2039 an.


In Wasser- und Heilquellen-Schutzgebieten müssen die zuständigen Behörden kürzere Fristen vorschreiben. Die Gemeinden werden die Grundstückseigentümer entsprechend unterrichten.


3.6 Schleswig-Holstein verlangt die Dichtheitsprüfung bis Ende 2025

In Schleswig-Holstein wollte man die Dichtheitsprüfung privater Abwasserleitungen ursprünglich bis Ende 2015 über die Bühne bringen. Nach heftigen Bürgerprotesten hat das Umweltministerium diese Frist Anfang Oktober 2010 bis zum 31.12.2025 verlängert. Wiederholungsprüfungen sollen nach 30 Jahren anstehen. In Wasserschutzgebieten soll es für die erste Prüfung beim 31.12.2015 bleiben und danach alle 15 Jahre.


Zur Erläuterung der Prüfung hat das Umweltministerium „Durchführungshinweise zur Umsetzung der DIN 1986-30“ und im Internet veröffentlicht. Diese Durchführungshinweise können Sie hier...nachlesen.


Hausbesitzer, die die Dichtheitsprüfung bereits durchgeführt haben, werden nicht schlechter gestellt, weil die bereits erfolgte Prüfung so behandelt wird, als ob sie zum spät möglichsten Zeitpunkt erfolgt wäre. Eine Wiederholungsprüfung ist dann erst wieder im Jahr 2055 notwendig.


3.7 Auch die Abwassersatzung kann die Dichtheitsprüfung vorschreiben

In den anderen Bundesländern, in denen es im Landeswassergesetz keine ausdrückliche gesetzliche Vorschrift zur Dichtheitsprüfung gibt, haben manche Gemeinden diese Pflicht in ihrer Abwassersatzung geregelt. Das ist im Rahmen der kommunalen Satzungsautonomie zulässig.


In Bayern gibt es eine Empfehlung des Bayerischen Landesamts für Wasserwirtschaft, bestehende private Abwasserleitungen alle 25 Jahre optisch zu prüfen (Merkblatt Nr. 4.3/6 des Bayerischen Landesamts für Wasserwirtschaft „Prüfung alter und neuer Abwasserkanäle“ v. 17.6.2003). Manche bayerischen Gemeinden haben diese Empfehlung inzwischen in ihre Abwassersatzung übernommen. Beispielsweise die Landeshauptstadt München; siehe dazu hier...


In Niedersachsen kann die Gemeinde in ihrer Abwassersatzung zwar die Dichtheitsprüfung vorschreiben, allerdings darf die Dichtheitsprüfung von Grundstücksentwässerungsanlagen nur mit dem Ziel vorgesehen werden, bei hohem Grundwasserstand das Eindringen von Fremdwasser in die öffentliche Kanalisation zu verhindern. Nicht zulässig sind Satzungsregelungen, die allein auf die Einhaltung eines wasserrechtlich ordnungsgemäßen Zustands abzielen. Das ist Aufgabe eines Wassergesetzes; eine solche Regelung ist aber in Niedersachsen nicht vorhanden. Eine Dichtheitsprüfung im Interesse des Grundwasserschutzes, um das Eindringen von verschmutztem Abwasser in das Erdreich oder das Grundwasser zu verhindern, können die Gemeinden durch Satzung deshalb nicht verfügen (NdsOVG, Urteil vom 10.1.2012 – 9 KN 162/10, NVwZ-RR 2012, 286 = DWW 2012, 108 = NdsVBl 2012, 155).


4. So läuft die Dichtheitsprüfung ab

4.1 Diese Leitungen sind zu prüfen

Das Nachstehende gilt nur in den genannten Bundesländern, in denen eine Dichtheitsprüfung vorgeschrieben ist!

Alle Abwasserleitungen auf dem Grundstück, die im Erdreich oder unzugänglich verlegt sind und Schmutzwasser ableiten, müssen auf Dichtheit geprüft werden. Dazu gehören auch Leitungen unter der Bodenplatte, nicht aber solche innerhalb des Gebäudes.


Je nach örtlicher Regelung in der Abwassersatzung ist der Eigentümer auch für die Grundstücksanschlussleitung (Leitung vom Kontrollschacht bzw. der Grundstücksgrenze bis zum öffentlichen Kanal) verantwortlich und muss sie auf Dichtheit prüfen lassen.


Leitungen, die nur das Regenwasser ableiten, müssen nicht geprüft werden.


Vor der Dichtheitsprüfung werden die Abwasserleitungen normalerweise gereinigt.


4.2 Verschiedene Möglichkeiten zur Dichtheitsprüfung

Für die Dichtheitsprüfung kommen die folgenden drei Methoden zur Anwendung:

- Druckprüfung mit Wasser

- Druckprüfung mit Luft

- TV-Inspektion


Wenn eine Abwasserleitung neu hergestellt oder eine bestehende Leitung wesentlich verändert wird, ist eine Druckprüfung vorgeschrieben. Mit einer Druckprüfung kann auch die Möglichkeit eines Fremdwassereintrages über die Rohrverbindungen erkannt werden.


Für die Prüfung bestehender Abwasserleitungen reicht normalerweise eine TV-Inspektion aus. Hierzu wurden Kamerasysteme entwickelt, die mit hoher Bildqualität auch verzweigte Systeme untersuchen können. Die Kamera wird vom Kontrollschacht oder von der Reinigungsöffnung aus eingesetzt. Die Dichtheit gilt als nachgewiesen, wenn bei der optischen Inspektion keine sichtbaren Schäden festgestellt werden. Nur in Zweifelsfällen könnte eine weitere Prüfung mit Luft- oder Wasserdruck notwendig werden. Wenn der Sachkundige trotzdem sofort eine Druckprüfung machen will, sollte man ihm das untersagen. In den Bundesländern, in denen eine Dichtheitsprüfung per Gesetz vorgeschrieben ist, wurde ausdrücklich zugelassen, dass bestehende Abwasserleitungen nur mit der Kamera zu untersuchen sind.


4.3 Eine Dokumentation weist die Prüfung nach

Als Nachweis der ordnungsgemäß durchgeführten Dichtheitsprüfung wird der Sachkundige eine entsprechende Dokumentation aushändigen. Hierzu gehören eine Lageskizze, die Kameraaufzeichnung (auf DVD, denn die kann man dann selbst am Computer anschauen), die eventuelle Schadensdokumentation und eine Bescheinigung des Prüfungsergebnisses.


4.4 Kosten der Dichtheitsprüfung

Wieviel die Dichtheitsprüfung kostet, kann man nicht allgemeinverbindlich sagen, weil es dafür keinen Gebührentarif gibt. Die Kosten hängen von der jeweiligen Situation auf dem Grundstück ab, also von Leitungslänge, Rohrdurchmesser, Verzweigungsgrad unter der Bodenplatte, Zugangsmöglichkeiten für Geräte, Anzahl der Einsteigschächte und Inspektionsöffnungen sowie die Rohrreinigung bestimmen den finanziellen Aufwand. Nach bisherigen Erfahrungen sollen für ein Einfamilienhaus etwa 300-500 € anfallen.


Es empfiehlt sich immer, dass sich mehrere Eigentümer zusammentun und gemeinsam einen Sachkundigen beauftragen; so könnte es billiger werden. Man sollte aber vorher mehrere Angebote einholen. Wichtig ist, ob im Preis alle Leistungen, wie z.B. die Reinigung und die vollständige Dokumentation enthalten sind.


4.5 Die Gemeinde muss die Dichtheitsprüfung anerkennen

Sofern die Gemeinde der Auffassung sein sollte, dass die Prüfung nicht fachgerecht durchgeführt wurde, und sie deshalb das Ergebnis der Dichtheitsprüfung nicht anerkennt, obwohl sie ein zertifizierter Sachkundiger gemacht hat, sollte man im Rahmen dessen Gewährleistungspflicht eine Nachbesserung verlangen.


5. Leitung undicht – was nun?

Sofern sich aus der Untersuchung ergibt, dass die Abwasserleitung nicht mehr dicht ist, steht eine Sanierung an. Es ist nicht ratsam, den Sachkundigen, das ist ja üblicherweise eine Kanalfirma, mit einer sofortigen Sanierung zu beauftragen. Vielmehr sollte man zunächst in Ruhe die erforderlichen Sanierungsarbeiten überlegen und weitere Angebote für die Sanierung einholen und die Preise vergleichen.


Dubiose Kanalreiniger sind unterwegs.“ So oder ähnlich wird immer wieder in der Presse berichtet. Was ist passiert? Unter Hinweis auf eine gesetzliche Pflicht zur Dichtheitsprüfung werden Grundstücksbesitzer an der Haustür massiv dazu gedrängt, ihre privaten Abwasserleitungen auf Dichtheit und mögliche Schäden hin überprüfen zu lassen. Die Masche hierbei: Zunächst wird diese Überprüfung für relativ wenig Geld angeboten. Dann wird dem Grundstückseigentümer mit gefälschten Video-Aufzeichnungen eine angeblich kaputte Abwasserleitung gezeigt und mit dem Hinweis auf den Tatbestand der Gewässerverunreinigung oder Bodenverunreinigung nach dem Strafgesetzbuch eine kostenträchtige Kanalsanierung aufgedrängt, die sogleich ausgeführt wird.


Der Kanalhai will durch die billige Dichtheitsprüfung nur an einen lukrativen und überteuerten Reparaturauftrag kommen. Deshalb kann man nur raten: Finger weg von dubiosen Haustürgeschäften. Die Gefahr, betrogen zu werden, ist groß. Und wer einen obskuren Flyer zu einer „Supergünstigen Dichtheitsprüfung“ im Briefkasten findet: Ab damit in den Papierkorb.


Seriöse Sachkundige machen erst nach Sichtung des Ist-Zustandes vor Ort ein fundiertes Angebot. Eine qualifizierte Arbeit hat auch ihren Preis. Billigangebote mögen auf den ersten Blick verlockend sein – das böse Erwachen kommt dann hinterher, wenn zu völlig überhöhten Preisen Sanierungsarbeiten angeboten werden, die dann oft nur mangelhaft durchgeführt werden. Pfusch kann teuer werden, weil unter Umständen die Dichtheitsprüfung und die Sanierungsmaßnahme wiederholt werden müssen.


6. Gibt es eine steuerliche Abzugsmöglichkeit?

Sowohl die Dichtheitsprüfung als auch eine eventuell notwendige Sanierung der Abwasserleitungen sind Instandhaltungsmaßnahmen, die man als Vermieter nicht auf die Mieter umlegen kann. Reparaturen muss nämlich der Vermieter zahlen (Kinne, Betriebskostenarten und deren Abwälzung, ZMR 2001, S. 1; Langenberg, Betriebskostenrecht der Wohn- und Gewerberaummiete, Rdn. A 58).


Als Vermieter kann man die Kosten für die Dichtheitsprüfung aber als Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung steuerlich absetzen. Das gilt natürlich auch für die Kosten einer eventuellen Reparaturmaßnahme.


Achtung Eigenheimbesitzer: Diese gingen bisher leider leer aus. Denn die Dichtheitsprüfung sei keine begünstigte Handwerkerleistung, für die man eine Steuerermäßigung nach § 35a EStG in Anspruch nehmen könne (OFD Münster, Kurzinfo Nr. 020/2010 v. 6.9.2010). Nach Auffassung der Finanzverwaltung sei die Dichtheitsprüfung mit einer Gutachtertätigkeit vergleichbar. Aufwendungen, bei denen eine Gutachtertätigkeit im Vordergrund steht, seien nicht steuerbegünstigt (BMF-Schreiben v. 15.2.2010, BStBl. 2010 I S. 140, Tz.12).


Das sieht der BFH aber anders. Er hat entschieden, dass die Aufwendungen für eine Dichtheitsprüfung einer Abwasserleitung eine Handwerkerleistung i.S.v. § 35a Abs. 3 EStG sein kann, für die der Grundstückseigentümer eine Steuerermäßigung in Anspruch nehmen kann. (BFH, Urteil vom 6.11.2014 – VI R 1/13, DWW 2015, 69).


© IKV Erwin Ruff Dezember 2015

Zurück zur Startseite